

Salon: Schülergesundheit in Paris
Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich und die Landtagswahlen in Ostdeutschland sind ähnlich ausgefallen. Jeweils rund 30% der Stimmen gingen an rechtsextreme Parteien, wobei die deutsche AFD in der Ablehnung von Menschenrechten und Demokratie offener, brutaler auftritt als der Rassemblement National (RN). Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Frankreich und Deutschland sehr verschieden sind und dass wir uns nur verstehen können, wenn wir die Unterschiede und deren Ursachen kennen. Jetzt gibt es also mal Gemeinsamkeiten – leider im Schlechten. Auf jeden Fall bedeuten sie, dass wir voneinander lernen können, um es besser zu machen.
In beiden Ländern denken Wissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten intensiv darüber nach, warum sich so viele Menschen rechtsextremen Parteien zuwenden, und sie haben auch Antworten. Es geht um die mannigfaltigen Krisen unserer Zeit und wie Politik, Ökonomie und Medien darauf reagieren:
Können die Menschen über die notwendigen Maßnahmen mitentscheiden oder fühlen sie sich entmündigt? Wird ihnen die Freiheit gegeben, sich zu ermächtigen?
Nehmen Politiker und Medien ihre Pflicht ernst, über die Ursachen der Probleme aufzuklären, werden die Menschen als mündige, gleichberechtigte Staatsbürger, als citoyens, behandelt?
Und schließlich: Werden die Folgen der Krisen auf die Schwachen abgewälzt oder herrscht Solidarität, Brüderlichkeit bei ihrer Bewältigung?
September 2024
Ralf Kröner
Deutsch-Französischer Salon mit Pascal Revault
Wann: Sonntag, 20. Oktober 2024, von 11 bis 13 Uhr
Wo: Marienkeller, Marienstraße 37, 70178 Stuttgart-Mitte (S-Bahn Haltestelle Feuersee)
Eintritt: 10 € Tageskasse / 5 € für Schüler und Studenten, Kaffee, Tee und Croissants können bestellt werden
Die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern hängt von vielen Faktoren ab: Handelt es sich um Mädchen oder Jungen, wie ist das Klima in der Klasse, in welcher Umgebung wohnt die Familie und und natürlich vor allem, welchen sozialen Hintergrund haben die Eltern? In einer Metropole wie Paris, kann man die verschiedenen Einflüsse, die auf Kinder und Jugendliche einwirken, auf engstem Raum beobachten.
Pascal Revault ist Allgemeinmediziner und hat lange an verantwortlicher Stelle bei verschiedenen Nichtregierungsorganisationen in den Bereichen Umwelt- und Sozialmedizin gearbeitet. Außerdem unterrichtet er an der Universität Paris I im Masterstudiengang nachhaltige Entwicklung – Rechtspflege, Ökologie und Gesundheit. Seit einiger Zeit ist er Schularzt im Nordosten von Paris. Dort ist er für knapp 5000 Schüler ab der 5. Klasse bis zum baccalauréat verantwortlich.
Drei Themen interessieren Revault dabei vor allem: Wie hat sich die Schulmedizin in den letzten 100 Jahren verändert? Warum hat sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, vor allem bei den Mädchen, in der letzten Zeit verschlechtert? Und warum werden Verschiedenheiten der kognitiven Fähigkeiten der Schüler für die Auslese benutzt, anstatt das Schulsystem selbst in Frage zu stellen?
Moderation: Ralf Kröner
Im Rahmen des Festivals Terre et Temps / Erde und Zeit
Mitte September haben wir ein deutsch-französisches Jugendtreffen im Béarn, Nouvelle Aquitaine, in der Nähe von Pau und Gurs in Südfrankreich organisiert und durchgeführt. Dieses Jugendtreffen fand im Rahmen des dortigen Festivals „Terre et Temps - Erde und Zeit“ für Kunst und Kultur und die deutsch-französische Freundschaft mit unserem dortigen Partner Château d’Orion statt.
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Schüler vom Walther-Eucken Gymnasium aus Freiburg trafen sich mit Schüler*innen vom Lycée Louis Barthou in Pau. Sie besuchten gemeinsam das dortige Musée de la Résistance, und diskutierten über ihre jeweiligen Recherche-Ergebnisse zum Widerstand in Deutschland und Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. | |
| Die Schüler aus Freiburg stellten außerdem ihre Graphic Novel (BD) „Zukünfte der Erinnerung – EINE REISE NACH GURS“ vor, die die Reise, Erlebnisse und Eindrücke ihrer Schulkameraden aus dem Jahr 2022 in einer jugendgemäßen Art beschreibt und zum Nachdenken anregt. | ![]() |
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Sie nahmen ebenfalls an Ateliers / Workshops im Maison des Arts in Sauveterre de Béarn mit Schüler*innen aus dem dortigen Collège und der École primaire aus Gurs teil. | |
| Ausgehend von französischen Volksliedern der Region erarbeiteten die Schüler*innen gemeinsam mit den zweisprachigen HipHop-Musikern Zweierpasch aus Freiburg eine neue HipHop-Komposition, eine Hymne für das Festival „Terre et Temps“. | ![]() |
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Diese Hymne wurde von den Jugendlichen am Abend auf der Freilichtbühne in Navarrenx während des Zweierpasch-Konzerts vorgetragen. Sie wurden vom Publikum mit frenetischem Applaus belohnt. | |
| Im Rahmen des Festivals haben die Schüler aus Freiburg bei der Gedenkstätte für das Lager Gurs an der Präsentation der Kunst-Installation „RESTLICHT“ mitgewirkt, mit der an die Geschichte des Lagers erinnert wurde. | ![]() |
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Im 2. Weltkrieg wurden Juden aus Deutschland in das Lager Gurs verschleppt, vor allem aus Baden und der Pfalz. Viele kamen dort ums Leben oder wurden von Gurs nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Die Frage, wie sich junge Leute alters- und zeitgemäß mit den Nazi-Verbrechen auseinandersetzen können, war der Schwerpunkt der Diskussionen und Veranstaltungen ihres Projekts.
Gefördert von: Baden-Württemberg Stiftung, Staatsministerium Baden-Württemberg, Deutsch-Französisches Jugendwerk
In unserem letzten Salon im Juni hatten wir den Journalisten und profunden Kenner Frankreichs und Deutschlands Guillaume Duval eingeladen. Eigentlich wollten wir ganz grundsätzlich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Länder sprechen. Aber direkt vor dem Salon hatte Europa gewählt mit dem Ergebnis, dass der rechtsextreme Rassemblement National fast ein Drittel der Stimmen bekam. Duval analysierte mittels Landkarten, Diagrammen und viel Sachkunde die Wahl.
In der anschließenden Diskussion ging es um Gründe und Hintergründe dieser Entwicklung.