• Editorial
  • März 2026

 Nach Jahren mancher Missverständnisse zwischen Emmanuel Macron und Olaf Scholz wurde die Wahl des Bundeskanzlers Merz als Chance für einen Neubeginn der deutsch-französischen Beziehungen gesehen. Die Hoffnung war berechtigt, denn Friedrich Merz hat in der Tat einige Tabus gebrochen: Deutschland darf sich jetzt verschulden, um die europäische Aufrüstung zu finanzieren und eine europäische Verteidigung wird angestrebt. Deutschlands Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten soll reduziert werden. Die französische Regierung freute sich.

Ein Jahr später scheinen Frankreich und Deutschland sich nicht mehr zu verstehen. Eine Reihe von ungeklärten Fragen hat die Kluft zwischen den beiden Ländern vertieft. Das Freihandelsabkommen Mercosur wird von den französischen Landwirten als Gefahr angesehen, während Merz das Abkommen als Chance für Deutschland begrüßt. Er hat nicht verstanden, dass Macron das Abkommen politisch nicht gegen die französischen Landwirte unterstützen kann.

Anderes Problem: Bundeskanzler Merz schlägt vor, die eingefrorenen russischen Vermögenswerte für die Finanzierung der militärischen Hilfe einzusetzen, während Frankreich und andere Länder Vorbehalte angemeldet haben.
Auf der anderen Seite möchte Präsident Macron ein europäisches Darlehen für den Aufbau einer von den USA unabhängigen europäischen Verteidigung. Der Vorschlag ist für Deutschland nicht annehmbar, denn er führt zu einer zusätzlichen Verschuldung. Er wurde als eine unpassende „Laune“ bezeichnet.
Das schwierige gemeinsame Kampfflugzeugprojekt ist auch ein Symptom der Krise.
Eigentlich nichts Neues. Frankreich tendiert dazu, hohe Staatsausgaben zu tätigen und verfolgt Maßnahmen zum Schutz der eigenen Wirtschaft. Deutschland muss exportieren und Wirtschaftsreformen durchziehen.

Aber angesichts der sehr angespannten internationalen Lage haben Frankreich und Deutschland keine Wahl: sie müssen sich schnell einig werden. Wenn sie es schaffen, wird es ein großer Schritt nach vorne sein.

März 2026

Catherine Gebhardt-Bernot