• Editorial

Vor 80 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende. Die Vertreter Westdeutschlands taten sich lange schwer, im Zusammenhang mit dem Kriegsende das Wort „Befreiung“ zu verwenden. Erst 1985 hat der damalige Bundespräsident, Richard von Weizsäcker, in einer Rede im Bundestag gesagt: „Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung". Was in Westdeutschland Schwierigkeiten machte, war in Frankreich selbstverständlich: Natürlich bedeutete die Kapitulation der deutschen Wehrmacht, die am 7. Mai 1945 in Reims unterzeichnet wurde, Befreiung.

Um an das Ende der NS-Terrorherrschaft zu erinnern, begeben wir uns in unsere direkte Nachbarschaft: Das Elsass war ein ewiger Zankapfel zwischen den beiden Mächten Frankreich und Deutschland. Bis ins 17. Jahrhundert gehörte es zum Heiligen Römischen Reich, dann zu Frankreich. 1871 wurde das Elsass vom neu gegründeten Deutschen Reich annektiert, kam 1918 zurück zur Französischen Republik. 1940 ließ Hitler es wieder annektieren und 1945 wurde es endgültig französisch.
Das Elsass war bis in das letzte Jahrhundert vor allem deutschsprachig, und deutsche Kultur spielte dort eine wichtige Rolle. Das führte zu einem Missverständnis: Viele Deutsche glaubten, die Elsässer wollten selbstverständlich Deutsche sein – ein Irrtum.
Als Beispiel dafür sei Karl Klein genannt, der vor 150 Jahren protestantischer Pfarrer in Fröschweiler bei Weißenburg im Elsass war. Klein hatte in Paris und Straßburg studiert, gehörte als Student in Straßburg zu einer deutsch-orientierten Burschenschaft und liebte Friedrich Schiller. Berühmt wurde er durch seine „Fröschweiler Chronik“. Klein beschrieb darin sehr anschaulich die verheerenden Auswirkungen des Krieges von 1870/71 auf seine Heimat. Das Buch wurde im Deutschen Reich zu einem Bestseller.
Zur Eroberung des Elsass durch das deutsche Militär äußerte er sich keineswegs begeistert: „... das Elsass, die schönste Provinz des Landes, ist vom Feind überflutet; (…) und von Basel bis Weissenburg schwebt auf allen Lippen nur noch eine Frage: „Wo ist Frankreich, wo ist unser großes, unüberwindliches Vaterland?“
Auch 1940 wurden die Elsässer nicht gefragt, ob sie Teil des von den Nazis beherrschten Deutschen Reichs werden wollten. Es begannen wieder schwierige Zeiten, vor allem für 100 000 junge Männer, die malgré nous – zum größten Teil wider Willen - in die deutsche Wehrmacht und Waffen-SS eingezogen und meist nach Russland geschickt wurden.

In zwei Salons werden wir uns mit dem Elsass während der Nazizeit befassen und hoffen wieder auf eine rege Beteiligung unserer Freundinnen und Förderer.

Januar 2025

Ralf Kröner